Taschenbergpalais

Die Geschichte des Taschenbergpalais erzählt sich immer besonders gut, weil sie die klassisch-spannenden Elemente Sex, Macht und Schadenfreude verbindet. Und das kam so:

August der Starke hielt sich, wie seinerzeit nicht unüblich, Mätressen. Anders als die heimlichen Geliebten heutzutage waren das durchaus akzeptierte Nebenfrauen. Die Cosel, die August einem seiner Minister ausgespannt hatte, ertrotzte sich sogar einen richtigen Ehevertrag. Der half ihr allerdings, als die Liebe des potenten Potentaten vorbei und die private wie politische Interessenslage des Königs von Polen sich verändert hatte, auch nicht mehr - und so landete die Gräfin Cosel auf Burg Stolpen, knapp 30 Kilometer Richtung Elbsandsteingebirge von der Residenz entfernt, im Gefängnis.

Die besten Tage ihres Lebens aber verbrachte Gräfin Cosel im Taschenbergpalais - dem Palais, das August ihr zu Ehren hat bauen lassen. Die Verbindung, die es heute zwischen Schloss und Palais gibt, wurde übrigens wie der gesamte Ostflügel erst später errichtet, so dass die nette Geschichte vieler Stadtführer, dass August nächtens über diesen Gang zu seiner Geliebten schlich, leider nur als gut erfunden eingestuft werden muss.

Wirklich lustig allerdings ist, dass der Frauenheld den Bau doppelt bezahlt hat: Einmal beim eigentlichen Bauen, dann später nochmal, als er die Cosel rausgeworfen hatte und das Palais für sich wieder haben wollte (soviel gab der Vertrag dann doch her): Rückkaufen hat also auch Tradition in Dresden!

Zu den bemerkenswerten Dingen im Taschenbergpalais gehört die Treppe, die Matthäus Daniel Pöppelmann entworfen hat: eine doppelläufige Anlage, die den Bombenangriff im Februar 1945 halbwegs überstand und 1992 bis 1994 beim 250 Millionen Mark teuren Wiederaufbau zum Hotel originalgetreu einbezogen wurde.

Wer in den Sophienkeller, einer Erlebnisgastronomie im Taschenbergpalais, hinabsteigt, kann ältestes Dresden betrachten: Teile der alten Stadtmauern und Gewölbe aus dem 13. Jahrhundert sind hier gefunden und in den Bau integriert worden.

Auch nach dem unfreiwilligen Auszug der Cosel erlebte das Taschenbergpalais gute Zeiten, mit An- und Umbauten. So entstand in Dresdens erstem barocken Palais einige Jahre später eine Hauskapelle, die als Höhepunkt des Rokoko in Dresden gefeiert wird.


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Zuletzt geändert: 07.08.05