Fürstenzug

Zum Stallhof des Schlosses gehört der Ende des 16. Jahrhunderts gebaute "Lange Gang". Er hat eine Vorderseite (zum Hof hin), die mit seinen 22 geöffneten toskanischen Rundbogenarkaden prächtig wirkt. Und es gibt eine Rückseite mit einer langen Wand. Da die Fenster sehr hoch angebracht sind, bleibt eine große Fläche: Die zu gestalten war offensichtlich schon immer in hohem Maße erwünscht, denn auf alten Bildern erkennt man Kalkmalereien in Sgraffitotechnik (so wie heute noch an Teilen des renovierten Schlosses). Die Malereien zeigten einen Reiterzug - doch nicht lange: Sgraffito ist schön, aber empfindlich. Was im 16./17. Jahrhundert die Betrachter erfreute, war im 19. Jahrhundert komplett verschwunden.

Eine kahle Wand ist ein schlechter Schmuck - und da sich die 800-Jahr-Feier des sächsischen Fürstenhauses Wettin näherte, gab es einen Beschluss: In einem überlebensgroßen Reiterzug sollten sämtliche Regenten des Hauses Wettin gezeigt werden. Das war der Vorschlag Wilhelm Walthers, und er wurde 1872 bis 1876 auch umgesetzt: In Sgraffitotechnik. Man hätte es besser wissen können, dass dies nicht für die Ewigkeit sein würde, und richtig: Schon zur Jahrhundertwende zeigten sich Schäden am Meisterwerk.

Was tun? Ausbessern? Oder komplett es mit neuer Technik versuchen? Genau dies: Die Königliche Porzellanmanufaktur erbot sich, den Zug der 35 Markgrafen, Kurfürsten und Könige sowie 58 weiterer Wissenschaftler, Künstler, Handwerker und Bauern auf 24.000 Fliesen zu realisieren. 67.000 Mark bewilligte der Sächsische Landtag für die Umsetzung des 957 Quadratmeter großen Bildes. Dreimal wurden die Fliesen bei Temperaturen über 1000 Grad gebrannt, um dann fugenlos an der Wand angebracht zu werden.

Gute Arbeit! Denn der 101 Meter lange Fürstenzug überstand sogar das Inferno des 13. Februar 1945, als Dresden ausgebombt wurde. Lediglich 223 Fliesen mussten ersetzt werden, weitere 442 wurden ergänzt.

PS: Der da ganz rechts am Ende des Zuges so fragend den Betrachter ansieht: Das ist Wilhelm Walter.


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Zuletzt geändert: 07.08.05